Schäferlauf in Markgrö­ningen

Immer freitags am vorletzten Wochenende im August beginnt in dem schönen Kaff, das ich mein Zuhause nenne, stets ein schönes Fest. Das Fest heißt Schäferlauf.

Es heißt so, weil im Laufe des Wochenendes aus kryptischen Gründen immer mal wieder Schäfer laufen. Und zwar über ein sogenanntes Stoppelfeld. Ein Stoppelfeld ist ein Maisfeld, das man etwa auf Höhe des Fußgelenks abrasiert hat. Genau genommen laufen die Schäfer also barfuß auf einem Fünftagebart und tun sich dabei höllisch weh. Das begeistert den Schwaben so sehr, daß die Karten für diese moderne Gladiatorenveranstaltung schon monatelang im voraus vergriffen sind. Der Sieger wird übrigens Schäferkönig, bekommt eine extrem schöne Krone aus Stanniol und führt den Hahnentanz an. Oder den Eiertanz, das hab ich leider vergessen.

Eigentlicher Höhepunkt des Schäferlauf-Spektakels ist aber der Schaf-Dreikampf. Weil es sich um ein altes Schäferfest handelt, soll ja das Schaf im Mittelpunkt stehen, also „die dressierte Ziege“ (Dionysios Magus).

Das Schaf tritt in folgenden Disziplinen an:

▪ Leistungshüten
▪ Hochsprung
▪ Paarlauf

Beginn des Triathlons, zu dem nur professionelle und deutsche Schäfer zugelassen sind, ist Freitag morgens gegen 7 Uhr. Sieger ist, wer auch um 16 Uhr noch aufrecht stehen und seinen Hütehund verbellen kann.

Das allerschönste am Schäferlauf ist aber die Geselligkeit. Niemand ist geselliger als der Schwabe. Meist drängeln sich zwischen Samstag und Sonntag auf den 150 Quadratmetern, die die Altstadt ausmachen, zwischen 30.000 und 50.000 Leute, dazwischen Pferde, die äpfeln, und Kinder, die auch äpfeln, oder schreien, je nach Witterung. Allerdings keine Schafe, die sind längst gegessen. Wer Verabredungen trifft, brüllt sich über die Distanz von anderthalb Metern in kehligen Lauten „TV“ oder „FV“ zu. Das meint: „Wir treffen uns Schlag 19 Uhr und ohne die Weibsen im Bierzelt des Turn- oder Fußballvereins.“ Beide haben nämlich das bessere Bier. Gekotzt wird später. Vor meiner Haustür. Auch das hat schöne Tradition.

Hab ich was vergessen? Ach ja: Parkplätze gibt es keine, also parkt man auf, neben, unter oder gegen mein Auto. Wer Theater sehen will, kommt auch auf seine Kosten. Eine Laienspieltruppe führt alljährlich das Stück „Der treue Barthel“ auf, in dem der Ursprung des schönen Schäferlaufs erklärt wird. Dazu kann ich leider nichts sagen. Alle meine Freunde, die das Stück je sahen, sind an einer Schüttellähmung erkrankt oder noch nicht wieder aus dem Alkoholkoma erwacht.

Ich fahre übrigens während dieses Wochenendes immer nach Tübingen. Weshalb auch nicht. Tübingen ist eine so schöne Stadt. Und schaffrei.

Bis nächstes Jahr um diesen Suff!

(Anm. d. Autors: Von Drohmails, Drohkotzen u.a.m. bitte ich abzusehen!)

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